Duitse gedichten
 -terug-
Keins wie dein
feines ohr
Merkt was tief innen singt ·
Was noch so schüchtern schwingt ·
Was halb sich
schon verlor.
Keins wie dein festes wort
Sucht so bestimmt den trost
In dem was wir erlost ·
Des wahren friedens hort.
Keins wie dein fromm gemüt
Bespricht so leicht den gram ·
Der eines abends nahm
Was uns im tag geglüht.
Stefan George

Manche
freilich ....
Manche freilich
müssen drunten sterben,
Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
Andre wohnen bei dem Steuer droben,
Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.
Manche liegen
immer mit schweren Gliedern
Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
Andern sind die Stühle gerichtet
Bei den Sibyllen, den Königinnen,
Und da sitzen sie wie zu Hause,
Leichten Hauptes und leichter Hände.
Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
In die anderen Leben hinüber,
Und die leichten sind an die schweren
Wie an Luft und Erde gebunden:
Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
Noch weghalten von der erschrockenen Seele
Stummes Niederfallen ferner Sterne.
Viele Geschicke weben neben dem meinen,
Durcheinander spielt sie alle das Dasein,
Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
Schlanke Flamme oder schmale Leier.
Hugo von Hofmannsthal

Irdisches
Geleit
Alles ist dir verliehen
Für eine flüchtige Zeit,
So wie die Wolken dort ziehen,
Sei du zur Reise bereit.
Eigentum darfst du nicht nennen
Kaum deine eigne Gestalt,
Glaubst du sie endlich zu kennen,
Bist du verändert und alt.
Gib den wartenden andern,
Noch leiden sie mehr als du,
Zum unvergleichlichen Wandern
Brauchst du nur Stab und Schuh.
Oda Schaefer
 -terug-
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